Beate Weber meldet sich zurück
Beim SPD-Empfang sprach die Alt-OB erstmals wieder in großem Rahmen – und machte Wahlkampf
Von Micha Hörnle
Zum ersten Mal seit ihrem Abgang vor über vier Jahren hielt Ex-Oberbürgermeisterin wieder eine Rede in Heidelberg. Die Spannung war groß: Würde sie mit der Politik ihres Nachfolgers Eckart Würzner abrechnen? Würde sie ihre 16 Jahre als OB bilanzieren? Und, vor allem: Wie geht es ihr eigentlich? Letztere Frage lässt sich schnell beantworten: Ihr geht es wieder gut. Nach einer schweren Krankheit und Chemotherapie hat sie sich gut erholt, mittlerweile sind ihr sogar Locken gewachsen, die sie vorher nie hatte. Und der alte Elan war wieder da, als sie gestern 40 Minuten lang beim „Frühlingsempfang“ der Heidelberger SPD sprach.
Und zwar derart, dass sich die gut 200 Genossen nach ihrer Rede von den Stühlen erhoben und ihr stürmisch applaudierten. Das sagt manches über das politische Klima in der Stadt und der Partei aus – zumal es die SPD mit Weber (und umgekehrt) auch nicht immer leicht hatte. Es gibt aber durchaus so etwas wie eine Sehnsucht nach den Weber-Jahren.
Gestern war Weber ganz Genossin – schließlich wurde sie für 40 Jahre Mitgliedschaft geehrt –, ließ sich aber nicht dazu verleiten, die Politik ihres Nachfolgers Würzner zu kritisieren: Schon ihr Vorgänger Reinhold Zundel hielt sich nach seinem Abschied aus der Kommunalpolitik heraus, und so tut sie es auch. Bis auf zwei Ausnahmen: Den Bürgerentscheid gegen den Verkauf der Emmertsgrund-Wohnungen 2008 hatte sie mit ihrer Unterschrift genauso unterstützt wie den gegen die Erweiterung der Stadthalle 2010.
Eigentlich wollte sie „nicht nur über die OB-Zeit reden“, tat es aber dann doch über weite Strecken – auch weil ihre Politik als OB in dem wurzelte, was sie vor 40 Jahren in die Politik und in die SPD trieb: Der Kampf um mehr Demokratie und Bürgernähe um Gleichberechtigung, Kinderbetreuung und Umweltschutz – und der ewige Kampf um die Bildung, bei der Weber in Baden-Württemberg einfach keine Änderung sieht: „Es ist zum Verzweifeln.“
Aber dann war sie auch bei der Bilanz ihrer 16 Jahre im Amt: „Diese Jahre waren für mich großartig.“ Auch wenn der Anfang schwierig war, denn die Vorbehalte gegen sie waren ziemlich stark: „Frau, Umweltschützerin und Lehrerin – das alles war für manche schon zu viel.“ Und dann wettete ihr Vorgänger Zundel auch noch um eine Kiste Rotwein, dass unter Weber die Stadt innerhalb von drei Jahren pleite sein würde. Eine Wette, die er verlor; die Kiste Wein teilte sie sich dann mit der Stadtkämmerei.
Ihre Schwerpunkte als OB konnte man schon als eine versteckte Kritik an Würzner lesen: die Bürgerbeteiligung zum Beispiel: „Dafür haben wir kein Konzept entwickelt, wir haben es einfach gemacht“ – nämlich „auf gleicher Ebene mit dem Bürger zu kommunizieren und ihm auch wirklich zuzuhören“. Oder die „Stadt als Ganzes zu sehen“ und nicht nur an die Entwicklung der Altstadt zu denken. Aber Weber war gestern auch Wahlkämpferin für ihre Partei, die sich mit Schwung an Stefan Mappus rieb. Und da diese Verve der SPD-Landtagskandidatin Anke Schuster nutzte, bedankte sie sich artig: Schließlich war es Weber, die die Studentin Schuster 1991 in die SPD eintreten ließ – nachdem diese sie in der Stadthalle als OB-Kandidatin reden gehört hatte: „Da steht eine Frau, die Visionen hat, und die lebt, was sie sagt.“ Und Weber meinte knapp: „Ich würde es wieder so machen.“ Sie ließ offen, ob sie ihre SPD-Mitgliedschaft meinte oder ihre Amtszeit als OB.
Seit gestern hat die Heidelberger SPD übrigens ein neues Mitglied: Webers Mutter, Uta Asher, trat ein. Mit 88 Jahren. Weber freut es, schiebt aber nach: „Ich habe sie nicht geworben.“
Foto oben: Alt-OB Beate Weber (links) wurde gestern in Kirchheim für 40 Jahre SPD-Mitgliedschaft geehrt – und machte zusammen mit dem Bundestagsabgeordneten Lothar Binding (hinten rechts) kräftig Wahlkampf für die SPD-Landtagskandidatin Anke Schuster (rechts). (Foto: Kresin)
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Stuttgart:
4. Oktober 2010
Rede auf Demonstration gegen Stuttgart
21
Am Wochenende haben wir das erfolgreiche
Ende einer gewaltfreien Volksbewegung in Mittel und Osteuropa
gefeiert, die Deutsche Einheit.
Der selbstbewusste Ruf „Wir sind das Volk“ hallt
bis heute fort und wurde in allen Samstags- und Sonntagsreden
stolz zitiert.
Und hier in Stuttgart?? Hier
kämpft der Staat gegen sein Volk. Hier werden Junge und
Alte auf Geheiß der Landesregierung mit Wasserwerfern und
Pfefferspray bekämpft, weil sie diesen Aufruf ernst nehmen
und demonstrieren.
Soll das so während der ganzen, langen Bauzeit weitergehen?
Demokratie ist unteilbar!
Alle haben das Recht auf
Fragen, darauf, eine andere
Meinung zu haben und das
deutlich zu zeigen.
Sie haben das Recht, nicht
diffamiert sondern ernst
genommen zu werden!
Wer meint, gegen einen Bahnhofsbau
gäbe es kein Widerstandsrecht,
wie das Bahnchef Grube sagt,
der hat Demokratie nicht
verstanden!
Die ist nämlich keine
Staatsform für Zuschauer
sondern für Mitmacher,
wie Joachim Gauck das ausgedrückt
hat!
Demokratie bedeutet, Uneinigkeit
ohne Gewalt auszuhalten!
Auch wenn die Entscheidung
für Stuttgart 21 unbestreitbar
durch alle demokratischen
Instanzen gegangen ist, kann
sie von Bürgerinnen
und Bürgern heute kritisch
gesehen werden, denn sie
müssen das Projekt mit
ihren Steuergeldern zahlen!
Denn das Geld, das von Bund,
Land und Stadt – auch
das der Deutschen Bahn – kommt
von ihnen.
Eine Demokratie fordert Transparenz – mit
Recht!
Wir fordern, dass alle Gutachten,
die heutige Wirtschaftlichkeitsberechnung,
vor allem aber die aktuelle
Kostenschätzung öffentlich
werden.
Nur so kann man feststellen,
ob ein Projekt dieser Größenordnung
heute noch unterstützenswert,
vor allem aber finanzierbar
ist.
Denn es ist auch bei einem
beschlossenen Projekt ein
Unterschied, ob es 2,8 oder
5,3 Mrd. € kostet, wie
das der Bundesrechnungshof
nach seiner aktuellen Schätzung
anmahnt. Dazu kommt die Bahnstrecke
nach Ulm, deren Kosten derzeit
selbst von der Bahn auf 2,9
statt auf ursprünglich
2 Mrd geschätzt werden.
Insgesamt reden wir im Augenblick
also statt über 4,8
Mrd. schon über € 8,2
Mrd., was aber noch lange
nicht der endgültige
Betrag sein muss bei der
langen Bauzeit!
Können Sie sich 8 Mrd
vorstellen?
Das sind über 4 Mio € für
jedes einzelne Jahr seit
Christi Geburt, nur um Ihnen
die Größenordnung
einmal vor Augen zu führen!
Eigentlich müssten eine
Landes-, eine Bundesregierung,
eine DB und ein Gemeinderat
unter diesen veränderten
Umständen selbst die
Entscheidung noch einmal überprüfen. Über
diese Größenordnung
ist nicht demokratisch entschieden worden,
vor allem nicht nach der
Finanzkrise, die alle öffentlichen
Haushalte in Turbulenzen
gebracht hat.
Die Öffentlichkeit hat
das Recht hier Mitwirkung
einzufordern, nachdem die
Verantwortlichen dazu ganz
offenkundig nicht bereit
sind.
Die einzige Möglichkeit
ist also ein Volksentscheid!
Wir alle wollen mit entscheiden,
ob Mittel in dieser Höhe
wirklich für eine zentrale
Maßnahme der Stadtentwicklung
in Stuttgart, einen Bahnhofsneubau,
eine Neubaustrecke und eine
mögliche Fahrzeitverkürzung
von Minuten ausgegeben werden
sollen. Wir wollen
mit entscheiden, ob dieses
Geld für eine solche,
zentrale Großmaßnahme
ausgegeben wird.
Alternativ, bzw. mit erheblich
weniger Geld könnten
damit viele Unzulänglichkeiten
im Fern-, Regional- und Nahverkehr,
auf unendlich vielen Bahnhöfen
in Baden-Württemberg
beseitigt und vieles mehr
finanziert werden. Ein Quantensprung
in der Qualität des öffentlichen
Verkehrsangebots könnte
erreicht werden – sicher
auch eine sinnvolle Optimierung
dieses Kopfbahnhofs und eine
die Bevölkerung entlastende
Neubaustrecke nach Ulm.
Noch eine kurze Bemerkung
zu diesem denkmalgeschützten
Kopfbahnhof: Als ständige
Nutzerin dieses Bahnhofs,
als Ziel oder zum Umsteigen
seit mindestens 30 Jahren,
kann ich nur sagen: wenn
ich Verspätungen hatte,
lagen die nicht am nötigen
Richtungswechsel sondern
an technischen, an Strecken-
oder Wetterproblemen.
Im Gegenteil: der Kopfbahnhof
ermöglichte mit seinen
vielen Gleisen das Aufholen
von Verspätungen!
Wir befinden uns sowieso
in guter Gesellschaft mit
München, Frankfurt oder
Paris u.v.m. – so viel
zum Anschluss an internationale
Standards.
Kopfbahnhöfe erleichtern übrigens
auch die Orientierung erheblich,
in einer mobilen Gesellschaft
im demographischen Wandel
ein ernst zu nehmendes Argument!
Welche Schritte sind nun
nötig, um einerseits
die drohende weitere Eskalation
der Auseinandersetzung zu
verhindern und andererseits
zu einer guten Entscheidung
zu kommen?
1. die Vertreter von Stadt
und Land müssen die
Verantwortung für ihre
gesamte Gesellschaft wieder
ernst nehmen – nicht
nur auf ihre Wähler
achten!
2. sofortiger Baustopp, denn
nur so kann Vertrauen wieder
aufgebaut werden
3. Einrichtung eines runden
Tisches, Vorlage aller vorhandenen
Gutachten, Veröffentlichung
aller Fakten zur Vorbereitung
eines Volksentscheides, denn
nur mit wirklicher Information
kann eine verantwortungsbewusste
Entscheidung getroffen werden
4. Durchführung eines
Volksentscheides
Wer den Volksentscheid will,
sichert die Demokratie und
verhindert ein Abwenden der
Menschen von der Politik!
Wer den Volksentscheid unterstützt,
bekennt auch, dass kein Mensch
unfehlbar ist und jede/r
das Recht auf bessere Einsicht
hat – auch mancher
in der SPD!
Auch wenn das Ergebnis eines
Volksentscheids natürlich
offen ist, hoffe ich doch
darauf, dass die Ereignisse
hier und die Zahlen viele
zu solcher Einsicht bewegen.
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Oktober 2010
Selbstbewusst für sich und andere eintreten
Ein Interview mit Beate Weber.
Beate Weber ist seit
1970 Mitglied der SPD. Von
1975 bis 1985 war sie Stadträtin,
von 1990 bis 2006 Oberbürgermeisterin
der Stadt Heidelberg. Sie
wurde 1996 zur „Frau
des Jahres“ (Mona Lisa/ZDF)
gewählt. In ihrer Amtszeit
hat sie sich insbesondere
für Bürgernähe
sowie die Gleichstellung
von Frauen und Männern
engagiert.
Weitere Informationen
finden Sie auf der Seite der "Friedrich
Ebert Stiftung"
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September
2010
„Visionen für eine bessere Lebensqualität“
Gertrud Lenz
Jahrbuch Ökologie
2011: Die Klima-Manipulateure, Rettet uns die Politik oder Geo-Engineering?
Hrsg. Günter Altner, Heike Leitschuh, Gerd Michelsen, Udo E. Simonis,
Ernst U. von Weizsäcker, S.Hirzel Verlag Stuttgart 2010.
Im Kapitel IV „Vor-Denker & Vor-Reiter“ über Angelika
Zahrnt, Joseph Beuys und Beate Weber („Beate Weber – die umweltpolitische
Kämpferin“) schreibt Gertrud Lenz aus dem Archiv der sozialen
Demokratie der Friedrich Ebert-Stiftung.
Als
erster Frau wurde Beate Weber der Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung
Umwelt (DBU), einer der am höchsten dotierten
Umweltpreise, bei einem
Festakt in Aachen am
28. Oktober 2007 verliehen.
Dieser Preis wurde Beate
Weber für ihr umweltpolitisches
Wirken als Oberbürgermeisterin
von Heidelberg zuerkannt.
Bei ihrem Amtsantritt
1990 war Beate Weber
die erste Oberbürgermeisterin
in Baden-Württemberg.
Im Laufe ihrer 16jährigen
Amtszeit machte sie Heidelberg
zu einer im Umwelt- und
Klimaschutz führenden
Großstadt, die
1997 von der Deutschen
Umwelthilfe zur „Umwelthauptstadt
für Natur und Umweltschutz“ gewählt
wurde. Zuvor hatte sich
Beate Weber 11 Jahre
als sozialdemokratische
Abgeordnete des Europäischen
Parlaments (1979 – 1990)
und langjährige
Vorsitzende des Ausschusses
für Umweltfragen,
Volksgesundheit und Verbraucherschutz
in der europäischen
Umweltpolitik (1984 – 1990)
engagiert.
1979 bei den
ersten Direktwahlen des
Europäischen Parlaments
setzte sich Willy Brandt
gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft
sozialdemokratischer
Frauen (AsF) dafür
ein, weibliche Kandidatinnen
aufzustellen und auf
einem sicheren Listenplatz
abzusichern, so dass
20 % der Kandidatinnen
den Sprung ins Europäische
Parlament schafften.
Zu ihnen zählte
die damals sechsunddreißigjährige
Beate Weber, Mutter einer
vierzehnjährigen
Tochter. Die Heidelberger
Lehrerin, der bereits
in ihrer ersten Lehrbeurteilung
eine „progressiv-drängende
Art“ bescheinigt
wurde, war seit 1975
Mitglied des Heidelberger
Gemeinderats und stellvertretende
Vorsitzende des SPD-Parteirats
Als stellvertretende
Vorsitzende bzw. Vorsitzende
des Ausschusses für
Umweltfragen, Volksgesundheit
und Verbraucherschutz
des Europäischen
Parlaments wurde Beate
Weber zu einer engagierten
Umweltpolitikerin. Sie
machte zahlreiche Umweltthemen
mit parlamentarischen
Mitteln (Anfragen an
die Europäische
Kommission, und Entschließungsanträge)
sowie durch der Öffentlichkeitsarbeit – oft
gegen Widerstände
der Europäischen
Kommission – zum
Gegenstand der Arbeit
des Europäischen
Parlaments. Unter ihrem
Vorsitz erarbeitete der
Ausschuss für Umwelt,
Volksgesundheit und Verbraucherschutz über
200 Berichte zu existenziellen
Umweltfragen wie Gifttransporte,
Chemiepolitik, Gentechnologie,
Atommüll. Zu Beate
Webers großen umweltpolitischen
Leistungen zählt
die Initiierung eines
Antrags zur Einberufung
eines parlamentarischen
Untersuchungsausschusses
im Europäischen
Parlament, gegen heftige
Widerstände vor
allen von Rat und Kommission
der EG, um die mangelnde
Durchführung der
EG-Richtlinie über
giftige und gefährliche
Stoffe und den Verbleib
der giftigen Abfälle
aus dem Unglück
von Seveso zu untersuchen,
durch das in der oberitalienischen
Region 1977 zahlreiche
Menschen, und vor allem
Kinder, schwere Vergiftungen
erlitten hatten. Sie
selbst wurde Mitglied,
aber nicht Berichterstatterin
dieses Ausschusses, der
nach ihrer Meinung bei
der Ausübung seiner
Tätigkeit behindert
wurde.
Eine der zentralen
Aufgaben des Europäischen
Parlaments sah Beate
Weber in der Schaffung
von einheitlichen Richtlinien
und Verordnungen für
alle Mitgliedstaaten
der Europäischen
Gemeinschaften im Umweltbereich.
Als Vorsitzende des Ausschusses
für Umweltfragen,
Volksgesundheit und Verbraucherschutz
war sie maßgeblich
an der Erarbeitung von
EG-Richtlinien für
den Transport gefährlicher
Stoffe und Abfälle
beteiligt, ebenso an
Vorschriften im Bereich
des Lebensmittelrechts
oder umweltpolitischen
Maßnahmen z.B.
gegen Luftverunreinigungen
und die Spätfolgen
des Reaktorunfalls von
Tschernobyl. Die Errichtung
einer europäischen
Umweltagentur und eines
europäischen Überwachungs-
und Informationsnetzes
für Umweltschäden
waren zusammen mit der
Einführung der Umweltverträglichkeitsprüfung
bei bestimmten öffentlichen
und privaten Projekten
(UVP) wichtige Maßnahmen
auf europäischer
Ebene zum Schutz der
Umwelt, an denen Beate
Weber mitwirkte.
Beate
Weber im OB-Wahlkampf
1998
Als Kandidatin der
Heidelberger SPD trat
die 47jährige langjährige
Heidelberger Gemeinderätin
(1975-1985) und Europaabgeordnete
als „Die Frau für
Heidelberg“ bei
den Oberbürgermeisterwahlen
1990 unter dem Leitgedanken:
.„Unsere Stadt
braucht frischen Wind“ an.
Mit diesem Signal für
einen sozialdemokratischen „Neubeginn“ nach
24jähriger Amtsinhaberschaft
Reinhold Zundels, versprach
Beate Weber eine Modernisierung
Heidelbergs, die Bürgerbeteilung
und ökologische
Aspekte einschloss. Im
Vordergrund ihrer Arbeit
standen die Politikbereiche
Umwelt und nachhaltige
Entwicklung, Gleichstellung
der Frau – sie
schuf das Amt für
Frauenfragen - , Kinder-
und Jugendpolitik, Wirtschaft
und Wissenschaft sowie
die Schaffung einer bürgernahen
Verwaltung als Dienstleistungsbetrieb – sie
schuf die ersten Bürgerämter
in den Stadtteilen -
und sorgte für mehr
BürgerInnenbeteiligung. „Global
denken und lokal handeln“ – unter
diesem Leitmotiv schuf
Beate Weber als sozialdemokratische
Oberbürgermeisterin
von Heidelberg in zwei
Amtsperioden entscheidende
strukturelle Voraussetzungen
für eine kommunale
Umweltpolitik.
Beate
Weber bezeichnete sich
selbst als „hartnäckig
und durchsetzungsfähig,
aber auch tolerant.“ Am
Ende der ersten Amtszeit
sahen örtliche VertreterInnen
von Umweltgruppierungen
und Parteien in Beate
Weber einerseits „eine
tolle Frau, die tolle
Sachen macht“.
Sie kritisierten Beate
Weber aber andererseits
auch als „Machtpolitikerin“,
die – bei „richtigen
Ansätze(n) und gute(n)
Ideen“ wegen ihrer „mangelnden
Kommunikationsbereitschaft“ den
bei ihrem Amtsantritt
1990 angekündigten „Neubeginn“ nur
beschränkt vollzogen
habe. Dennoch: 1998 trat
Beate Weber erneut als
Kandidatin der SPD unter
dem Motto „Für
Sie und für diese
Stadt möchte ich
gerne weiter arbeiten“ für
das Amt der Oberbürgermeisterin
an. Im zweiten Wahlgang
hatten die WählerInnen
zwischen Beate Weber
und dem Kandidaten der
Wählervereinigung „Die
Heidelberger“ Wolfgang
Lachenauer zu entscheiden,
der mit einem verkehrspolitischen
Programm antrat, das
in zentralen Punkten
der Umweltpolitik Beate
Webers konträr gegenüber
stand. Beate Weber setzte
sich knapp gegen den
Kandidaten des konservativ-liberalen
Lagers durch. Als Beate
Weber am Ende ihrer zweiten
Amtszeit 2006 Bilanz
zog, bewertete sie die
Jahre als Oberbürgermeisterin
von Heidelberg als nicht
konfliktfrei. Doch die
politische Laufbahn lehrte
sie – so Beate
Weber - „zwischen
persönlicher Gegnerschaft
und sachbezogenen Differenzen
zu unterscheiden“.
Als Fazit der Jahre als
Oberbürgermeisterin
stellte sie für
sich fest, dass sie ihren
Visionen „mit großer
Begeisterung“ treu
geblieben sei.
Leseempfehlung:
Weber, Beate, Im Wurzelwerk
der Demokratie: ausgewählte
Reden einer Oberbürgermeisterin
1990 – 2006, Heidelberg
2006
Weber, Beate, Die
EG-Umweltpolitik, Bonn
1989. (Materialien zu
Europa / Gruppe der SPD-Abgeordneten
in der Sozialistischen
Fraktion des Europäischen
Parlaments)
Lenz, Gertrud, "Visionen
für eine bessere
Lebensqualität“.
Das Depositum Beate Weber
im Archiv der sozialen
Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung,
in: Archiv-Nachrichten.
Internet-Newsletter aus
dem Archiv der sozialen
Demokratie, Nummer 1
/ 2008, 7. Juli 2008,
verfügbar unter:
http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/newsletter/newsletter/NL_01_2008/newsletter012008.html zuletzt
geprüft:
23. März 2010.
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Heidelberg:
3. Juni 2010
Erwin Poell zum 80. Geburtstag
Beitrag von Beate Weber im "Liber
Amicorum",
Erinnerungen zum 80. Geburtstag von Erwin
Poell im Buch: Erwin Poell *1930. "Das Leben sucht sich seinen
Weg",
erschienen im Mattes Verlag Heidelberg,
2010.
Erwin
Poell und das Heidelberger Logo
Selbstverständlich hat
die Stadt Heidelberg ein
kurfürstliches Wappen,
das sie seit vielen Jahren
bei allen wichtigen Gelegenheiten
begleitet, auf Urkunden,
Dokumenten und der offiziellen
Flagge. Wie in vielen anderen
Städten wird es von
einem eindrucksvollen Löwen
geziert. Es wird weiterhin
bei allen feierlichen Anlässen
verwendet. Nun ist unsere
Stadt aber nicht nur unverändert
schön mit ihrem seit
dem Ende des 17. Jahrhunderts
nicht mehr zerstörten
Stadtbild, altehrwürdig
mit ihrer Geschichte und
der ältesten Universität
Deutschlands, sondern gleichzeitig
munter, bewegt und in ständiger
Veränderung begriffen.
Deshalb wollte ich in meiner
Amtszeit als Oberbürgermeisterin
ein junges Bild der Stadt
vermitteln, in Wort, Bild
und Schrift – dafür
war ein modernes Logo notwendig.
Die Erfahrungen anderer Städte
waren allerdings entmutigend,
entweder war die Qualität
nicht gut, wurde durch Mehrheitsentscheidungen
abgeschwächt oder es
gab in den Räten überhaupt
kein Ergebnis. Deshalb musste
für uns das bestmögliche
Logo entwickelt werden um überhaupt
eine Chance zu haben. Was
lag da näher, als zu
versuchen, den besten Designer
zu gewinnen, den, der glücklicherweise
seit vielen Jahren mit seiner
kongenialen Frau Hiltrud
und den beiden Töchtern
in Heidelberg wohnt, Erwin
Poell. Den Mann, der seit
Jahrzehnten bekannt war für
seine großartigen,
vielfach preisgekrönten
Arbeiten mit der Ullstein-Eule,
dem PONS-Erscheinungsbild,
dem Logo für Bethel,
unzähligen Briefmarken-Designs
u.v.m. Erfreulicher Weise
erklärte er sich dazu
bereit, sich für „seine“ Stadt
in besonderer Weise zu engagieren.
Ich war unendlich gespannt
darauf, was er nach dem höchst
erfreulichen Anfangsgespräch
wohl vorlegen würde.
Und dann kam er 1995 ins
Rathaus mit einem Logo, das
so einfach und „logisch“ aussah!
Es zeigte Schloss, Neckar
und Brücke, war klar
und frisch, modern in seiner
quadratischen Gesamtform,
rundum überzeugend.
Es wirkte so, als möge
er die Stadt sehr. Nie werde
ich vergessen, wie er mir
erklärte, dass man ein
gutes Logo mit dem Zeh in
den Sand malen können
muss - ich war begeistert,
von ihm und seiner Arbeit
und probierte das bei nächster
Gelegenheit. Es klappte,
allerdings natürlich
nicht so perfekt. Um die
schwierige Demokratiehürde
gut zu nehmen, lud ich alle
denkbaren Interessierten
ins Rathaus ein, von der
Politik im Gemeinderat bis
hin zu Tourismus und Wirtschaft,
und Erwin Poell stellte in
seiner bescheidenen, leisen
aber bestimmten Art Entwicklung
und Ergebnis seiner Arbeit
vor – mit durchschlagendem
Erfolg, alle fanden es großartig.
Es wurde gleich im folgenden
Jahr für die 800-Jahrfeier
der Stadt in besonderer Form
verwendet. Seitdem präsentiert
sich Heidelberg auf vielfältige
Weise mit diesem Logo nach
innen und außen, zum
Beispiel bei der Beschilderung
der Ortseingänge, derjenigen
für Hotels, den Informationstafeln
in der Altstadt, den Kultursäulen
oder allen Broschüren
der Stadt. Die dazu passende
Schrift und eine klare Sprache
ergänzen das moderne
Erscheinungsbild, und – fast – alle
sind seitdem damit glücklich.
Ohne Erwin Poell wären
wir sicher – wie so
viele Städte – im
Mittelmaß stecken geblieben,
mit diesem herausragenden
Logo werden wir der weltweiten
Bekanntheit der Stadt auf
ganz besonders gelungene
Weise gerecht. Zu seinem „großen“ Geburtstag
meine ganz herzlichen Glückwünsche
und noch einmal vielen Dank
für seine Arbeit.
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August 2009
Von Europas Öko-Städten lernen
Ein Artikel aus dem ISSP Newsletter liegt hier zum Download bereit
(pdf-Datei, 2,5 MB). Zu dem Thema gibt es auf youtube ein Interview.
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